1800

Bl. [=Bevölkerungsliste] Nr. 2486
Isaac Seligmann, 51 J. a., Hausierer, Haus Nr. 558, Ehefr. Hendel Goel, 40 J. a.
Rp. [=Ratsprotokoll] Quintidi d 25 Pluviose 8. j. d. R. (=14.2.1800)
Seligmann Isaac zeigte an, das Er sich mit seiner Ehefrau Hendel gohl dahier niederlassen und mit Ellen Waaren handlen wollen, Verlangte ins bürger register eingetragen zu werden – eingetragen

Geuenich, Josef, Bürgeraufnahmen der Stadt Düren 1607-1800, S. 299

1802

Der Handelsstand erklärte, daß er dem völligen Untergang entgegen gehe, wenn der neu eingeführte Betrieb nicht gründlich geändert werde. Es könne wohl die Einfuhr solcher Waren gehemmt werden, die so häufig in Frankreich hergestellt würden, daß nicht nur das Inland hinlänglich damit versehen, sondern auch noch Ausfuhr möglich sei, wie Tuch, Seide, Papier. Für alle andern Erzeugnisse müsse bei einem vernünftigen Tarif die volle Freiheit der Einfuhr verlangt werden. Die für die Einfuhr der Waren vorgeschriebenen Formalitäten seien derart, daß dadurch oft Waren beschlagnahmt würden und lange Prozesse entstünden. Häufig aber würden die beschlagnahmten Waren, die über den Rhein zurückbefördert werden müßten, von den Beamten für einen Spottpreis angesteigert, diese verkauften sie dann den Juden, welche mit ihren Packträgern das Land überschwemmten und dem ehrlichen Kaufmann das Geschäft verdürben. Ein Hauptübel sei der leichte Erwerb von Gewerbescheinen, der eine Menge unredlicher Verkäufer in die Welt setzte, die keinen Pfennig Vermögen hätten und mit ihrem auf Schleichwegen erworbenen Kram das Land durchliefen, um dem städtischen Kaufmann „das Brot vor dem Maul wegzunehmen“.  […]
Auf die Anfrage, in welchem Umfange in Düren Schmuggel getrieben werde, wird mit einer gewissen Entrüstung erwidert, daß „die Moralität der Einwohner mit solchem Metier gänzlich unverträglich sei“. Düren überlasse dieses Geschäft den Schleichhändlern und Packjuden, „die zum Schaden der Handlung und ihrem völligen Ruin Städte und Land durchstreifen und teils defraudierte, teils saisierte (beschlagnahmte) und von den Douaniers angekaufte Waren für ein spottfeiles Geld anbieten und vermöge ihres drei Livres Patents (= Gewerbeschein für drei Livres) ohne Haus und Hof und ohne stetes Domizil sich den übrigen Auflagen des Staates zu entziehen wissen; kein Wunder, wenn der sonst reiche Kaufmann jetzt nicht mehr bestehen kann und mit einer starken Familie seinem völligen Ruin entgegen sieht“.

Aus einer Umfrage des frz. Staatsrates Dauchy unter Gewerbetreibenden, zit. nach: Schoop, Geschichte der Stadt Düren bis zum Jahre 1816, S. 97

1802

An Unruhen sollen u.a. Hirz aus Zülpich und besonders Moyses Nöthgen aus Sinzenich beteiligt gewesen sein. Besonders schlimm war ihr „christlicher“ Kumpan Johann Müller, der aus Schönau bei Münstereifel stammte und zu den grausamsten Mördern der damaligen Zeit gehörte. Auch der Jude David Isaak aus Nideggen hatte einen schlimmen Ruf. Zur gleichen Zeit hatte sich ein gewisser Engelbert Jungblut, aus Flamersheim gebürtig und von Beruf Gerber, mit drei Handelsjuden aus der Zülpich-Dürener Gegend zusammengetan. Als Nathan Hirz und Simon Elias wurden zwei von ihnen auf Steckbriefen bezeichnet. Alle wurden am 10. Dezember 1802 in Köln zum Tode verurteilt.

Arntz, Judaica, S. 40

1806

Das ganze Roerdepartement, das in 4 Arrondissements Aachen, Köln, Krefeld, Cleve zerfiel, zählte im Jahre 1806 5484 Juden und zwar im Arr. Aachen 1416, im Arr. Köln 2012, im Arr. Krefeld 1571 und im Arr. Cleve 485. […] Das Arr. Köln zählte damals in seinen einzelnen Kantonen Bergheim 322, Brühl 251, Köln 124, Dormagen 226, Elsen 366, Jülich 221, Kerpen 120, Lechenich 151, Weiden 92, Zülpich 139, also insgesamt 2012 Juden.

Kober, Adolf, Das Namensregister der Kölner Juden von 1808, in: Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden, Jg. 1926, S. 41-53

1808

29.10.1808

Die in Düren wohnenden 42 Juden nehmen aufgrund einer Anordnung der französischen Behörden feste Familiennamen an.

STAD, Frz. Zeit A I 46, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 79

1811

Zwei Nichtkatholiken sind in der Gemeinde [Merken]. Die Frau des Hermann Kaulen war eine „Calviniana“, und ein Jude lebte in Merken, übrigens der erste Jude, der urkundlich hier erscheint.

Sommer, Josef, Merkener Geschichte, Essen 1985, S. 225

1814

26.09.1814

Die Stadt, einschließlich Distelrath, hat 4.777 Einwohner; männlich 2.308, weiblich 2.469; katholisch 4.341, lutherisch 110, reformiert 285, jüdisch 41 […].

STAD, PrZ 16, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 80

[Familie Philipp Berg aus Dirmerzheim, Gustav Schwarz aus Lüxheim]
Unsere Geschichte beginnt mit Joseph Berg, der 1814 geboren wurde, zuerst in Brüggen und später in Dirmerzheim lebte […]. Joseph Berg war von Beruf Viehhändler.
3 seiner Söhne – Jonas, Philipp und Markus Berg – blieben vor Ort und bauten sich eine Existenz als Viehhändler in Dirmerzheim und Lechenich auf. […]
Philipp Berg konnte damit eine Familie gründen. Er heiratete etwa 1890 Henriette Schwarz aus Lüxheim, die 5 Söhne zur Welt brachte: Joseph Berg, geboren 1891, Karl Berg, geboren 1892, Hugo Berg, geboren 1899, der als kleines Kind starb, Ernst Berg, geboren 1900, und Leo Berg, geboren 1904, der ebenfalls als kleines Kind starb. […]
Karl Berg, der zweitälteste Sohn, hatte die Volksschule besucht, einige Jahre auch die höhere Schule, ohne sie zu beenden. 1923 zog er von Dirmerzheim nach Lechenich um. Hier hatte 3 Jahre vorher Gustav Schwarz aus Lüxheim ein Haus in der Bonner Strasse für 57.000 Mark ersteigert, ein Haus, in dem die 1920 verstorbene Witwe des Elias Simon gelebt hatte. […] Keine Arztpraxis, sondern ein Geschäft eröffneten hier Gustav Schwarz und Karl Berg. Bei „Schwarz & Berg“ wurden vor allem gebrauchte Kleidung aus Armeebeständen, Schuhe und Stoffe angeboten. […]
Der Partner Gustav Schwarz, geboren 1882 in Lüxheim, besaß eine wohl klingende Baritonstimme und hatte eigentlich Opernsänger werden wollen. Einige Male schon war er als Solist aufgetreten. Als ihm ein festes Engagement angeboten wurde, lehnte er ab, denn als Opernsänger hätte er auch am Sabbat singen müssen. Und so assoziierte er, der fromme Jude, sich lieber mit Karl Berg, um Schuhe und alte Militärkleidung zu verkaufen. Immerhin: er sang als Vorsänger in der Synagoge von Lechenich und als Mitglied im Männergesangverein. 1936, als Karl Berg heiratete, zog er sich nach Lüxheim zurück, auch wenn er Geschäftsteilhaber blieb. 1938 versuchte Gustav Schwarz zu emigrieren. In Kaldenkirchen wollte er die Grenze überschreiten. Die Grenzbeamten aber entdeckten Korrekturen in seinem Pass, behielten ihn ein und kabelten an die Polizeiverwaltung in Lechenich: „In der Anlage übersende ich einen Paß des Juden Gustav Schwarz, Lechenich, der demselben bei der beabsichtigten Ausreise abgenommen und eingezogen wurde. Da auf Seite 4 Änderungen im Ausstellungs- und Gültigkeitsdatum vorgenommen wurden. Ferner ist der Stempel auf der Paßfotografie unvollständig und läßt die Annahme zu, daß das Bildnachträglich eingeklebt wurde. Ich bitte um umgehende Zurücksendung des Passes und Mitteilung, ob es sich um eine Fälschung handelt. Schwarz ist hier in Haft genommen.“ Die Rückmitteilung der Polizeiverwaltung Lechenich an die Staatspolizeistelle Düsseldorf erfolgte prompt: „1. Die Staatspolizei ist telefonisch benachrichtigt, daß die Veränderungen des Datums im Paß von hier vorgenommen worden sind. 2. Der Paß wird wegen der Veränderungen für ungültig erklärt und eingezogen.“ Gustav Schwarz war also nicht nur schuldlos an der Ausreise gehindert und verhaftet worden, er hatte überdies seinen Reisepaß verloren. Er mußte zurückreisen an seinen Heimatort. Neue Versuche, sich Ausreisepapiere zu besorgen, scheinen gescheitert zu sein. Einige Jahre später wurde Gustav Schwarz über Köln in den Osten verschleppt.

Archiv der Stadt Erftstadt, Nr. 2333.02, in: Bormann, S. 83ff.

1815

„In der Zwischenzeit hatte Bergheim einen neuen Judendoktor erhalten, der sich mit seinem christlichen Kollegen die Schar der Patienten teilte. Dr. Emanuel Levy, ein Sohn des Hertz Levy und Enkel des alten jüdischen Arztes Dr. Moses Samuel Levy, hatte sich in Bergheim niedergelassen. Emanuel hatte das Gymnasium in Mörs besucht, an der Duisburger Universität studiert und hier auch die Doktorwürde erhalten. […] Dr. Emanuel Levy nahm später den Namen Gorde[=o]n an. Er verließ Bergheim nach 1808 und gründete 1815 in Gürzenich bei Düren eine neue Praxis.“

Friedt/Esser, Bergheim, S. 42

"Um 1815 ließ sich hier mit Dr. med. Emanuel Gordon der einzige jüdische Arzt weit und breit nieder …". Schulte in Müller, S. 82. / "Der Mann war Israelit und hatte als Arzt eine ausgedehnte Praxis, vielen Zulauf aus der Nähe und der Ferne. Die Gemeinde betrauerte diesen Fall."

Chronik des Amtes Birgel.

"Gürzenich bei Düren. Wenn leider in unsrer Zeit noch aus manchen Gegenden her über Intoleranz Klage erhoben wird, so muß es eine um so erfreulichere Erscheinung sein, grade das Gegentheil bemerken zu können. Schreiber dies war am vergangenen Sonntag in Gürzenich, an welchem Tage der Israelit Emanuel Gordon, ein Mann von 67 Jahren, ein weit und breit durch seine glückliche und erfolgreiche 31jährige Praxis bekannter Arzt, beerdigt wurde. Wie hoch der Werth dieses verdienstvollen Mannes als Mensch und als Arzt war, wie tiefschmerzlich sein Verlust empfunden worden, des gab Kunde die allgemeine und zahlreiche Begleitung zur Stätte des Begräbnisses. Denn neben vielen seiner Angehörigen und Glaubensgenossen, welche der Leiche folgten, konnte man (erfreulich!) gewahren die katholische Geistlichkeit, die Honoratioren des Ortes verschiedener Confessionen nebst einer großen Anzahl achtbarer Einwohner, welche sich dem Trauerzuge anschlossen, um dem Verdienste die letzte Anerkennung und Ehre zu beweisen. Es darf wohl Keinem, welcher von wahrer Humanität und echter Menschenliebe durchdrungen ist, die Theilnahme an diesem Ehrenakte bedenklich erscheinen, um so weniger, als auch der Verstorbene als tüchtiger Heilkünstler der Menschheit so wesentliche und wichtige Dienste zeitlebens geleistet, den dürftigen Leidenden als edler Menschenfreund allzeit mit schöner Uneigennützigkeit heilend nah, den Armen ein großer Wohlthäter gewesen sein soll. Den braven Einwohnern von Gürzenich gereicht dieser schöne Zug zur Ehre und zum Lobe, weshalb es sehr statthaft erscheinen mag, desselben auch öffentlich zu erwähnen. Möchte allenthalben eine solche bescheidene, vernünftige Toleranz beobachtet werden, es würde zweifelsohne manche schöne Frucht des Friedens und der Eintracht in mancher Gemeinde die Menschheit erfreuen! – (Eingesandt.)"

Dürener Anzeiger 1842

1818

20.03.1818

Krefeld, 20. März 1818
Das Israelitische Konsistorium zu Krefeld an die Regierung, betr. Weitergeltung des Dekrets vom 17. März 1808
Nachdem durch die höchste Kabinets-Ordre vom 3. d. M. die mit dem 17. diesen Monats ablaufende Gesetzeskraft des die Juden [betreffen]den Dekrets vom 17. März 1808 bis auf Weiteres verlängert [worden], so beehren wir uns, Einer Hochlöblichen Regierung, [Bezug nehmend] auf den Artikel 7 des ge[nannten] Dekrets, ganz ergebenst [vor]zustellen, daß zur Zeit [der] Französischen Verwaltung [die] Gemeinde-Räthe allj[ährlich durch] die Departements-Präf[ekten zus]ammen berufen [worden] [(cf. Prtäfek]tur-Akten des Roer-[Departements] vom Jahre 1808, pag. 198-217, 1810, pag. 245, 1811, [pag. 357] und 1813, pag. 320), um [zur] Patentisirung der Handel[treibenden] Israeliten Certificate, [sowie die geforder]te Nachweisen aufzustellen, welche von den Unterpräfecten gesammelt und dem unterzeichneten Consistorio zur Begutachtung mitgetheilt worden; wonach alsdann, auf den Grund der genannten Nachweisen, die Ertheilung der den Handeltreibenden Israeliten nach dem bezogenen Artikel 7 erforderlichen Patente von der Departements-Behörde erfolgte.
Da nun bei Fortdauer des fraglichen Dekrets die Erhaltung der besonderen Patente für die Handeltreibenden Israeliten unumgänglich nothwendig wird: so bitten wir Eine Hochlöbliche Regeirung ergebenst, die Zusammenrufung der Gemeinde-Räthe und Aufstellung der gedachten Nachweisen in den zum hiesigen Consistorial-Bezirke gehörenden Stadt- und Landkreisen Aachen, Geilenkirchen, Heinsberg, Düren, Gemünd, Jülich und Erkelenz baldigst anordnen zu [wollen] und diese Nachweisungen zu unserer desfallsigen gut[achtlichen] Erklärung zukommen zu l[assen].
Zugleich müssen wir [eine] Hochlöbliche Regierung er[neut] darauf aufmerksam ma[chen, daß] die Ertheilung dieser Special-[Patente] in den letzten Jahren (1815, 1816, 1817) ganz unter[blieben] und von den verschiedenen [Verwal]tungs-Behörden gar nicht [ver]langt worden. Durch die [Nicht]beobachtung dürften nun [sich] Fälle ereignen, wo den [Israeliten], z.B. bei etwaigen aus [früheren] Epochen herrührenden [Pflichten], die ohne ihr Verschulden [erfolgte] Nichtpatentisirung zum g[roßen Nach]theile gereichen, und sie eines Theils oder wohl g[ar des] ganzen Vermögens verlu[stig gehen].
Daher können wir nicht entbrechen, eine H[ochlöbliche] Regierung hierdurch zu bitten:
in die pro 1818 zu ertheilenden Patente zugleich ausrücken zu lassen, daß dieselben für die letzten vier Jahre ebenfalls Kraft und Gültigkeit hätten, mithin die Stelle derjenigen Patente mit verträten, welche in diesen Epochen zu ertheilen nicht beachtet worden, und halten wir uns, im Vertrauen auf die gerechten Einsichten Einer Hochlöblichen Regierung versichert, daß Hochdieselbe diesem, auf der größten Billigkeit gegründeten Gesuche geneigtest deferiren werde.

HStAD, RAA Nr. 2470 (Bll. 35-36, stark beschädigt), in: Lepper I, S. 544

Die Stadt hat 4.978 Einwohner, 4.542 Katholiken, 278 Reformierte, 110 Lutheraner, 48 Juden.

Geuenich, Straßennamen, S. 223

1820

Im Jahre 1820 lebten im Regierungsbezirk [Aachen] insgesamt 1668 Juden. Hiervon lebten im Stadtkreis Aachen 96 und in den Landkreisen Aachen 121, Düren 409, Jülich 471, Heinsberg 213, Geilenkirchen 132 und Gemünd 133 Juden. Aus den übrigen Landkreisen wurden keine Juden gemeldet.

Weber, Hans: Die jüdische Bevölkerung im Regierungsbezirk Aachen, in: 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte, Aachen 1967, S. 125

1821

08.03.1821

„Damit die Ausfertigung der Patente für die handeltreibenden Israeliten für das Jahr 1821 spätestens im Monat April d. J. erfolgen könne, wollen die Herren Bürgermeister der Gemeinden, wo deren wohnen – die desfalls vorgeschriebenen Nachweisungen mit den Protokollen der Schöffenräthe über die Qualifikation zu einem Patente vor dem 20. d. M. unfehlbar hierher einsenden, damit ich solche ohne Verzug an das Consistorium zu Crefeld überschicken kann.
Düren, den 8. März 1821.
Der Königl. Landrath, von Lommessem.“

Landräthliches Korrespondenz-Blatt, Nr. 10 v. 10.03.1821

1822

27.12.1822

Zur Verteilung der Gewerbesteuer für das Jahr 1823 erscheinen vor dem Landrat als Delegierte der Metzger: [Joseph Nepomuk zu Pier.] – Isaac Fromm zu Gürzenich. – Isaac Compel zu Schlich. – Jacob Meyer zu Gey. – Joseph Levenbach zu Weisweiler.

Landräthliches Korrespondenz-Blatt, Nr. 46 v. 21.12.1822

1825

23.05.1825

„Mit Bezug auf die §§. 8, 9, 10, und 13 der in dem vorjährigen Amtsblatte Nro. 57 Pag. 481 u.f.g. 59 enthaltenen Ober-Präsidial-Verfügung vom 13. September 1824 werden Sie hierdurch beauftragt, sich von sämmtlichen jüdischen Lehrern Ihres Verwaltungs-Bezirks mit Inbegriff der Religions-Lehrer, Prüfungs- und Concessions-Atteste vorlegen zu lassen. Denjenigen, die solche Atteste vorzulegen nicht vermögen, haben Sie die Schule zu schließen. Den jüdischen Eltern, deren schulpflichtige Kinder keine Schule besuchen, haben Sie übrigens mit Bezug auf obige Oberpräsidial-Verfügung zu bedeuten, daß sie dieselben in eine öffentliche oder concessionirte Schule schicken müssen. […]
Aachen den 10. Mai 1825 Königliche Regierung I Abtheilung
An das Landräthliche Officium zu Düren.
Abschrift an die Herren Bürgermeister des Kreises, um hiernach die Jüdischen Lehrer zur Vorlage ihrer Concession aufzufordern, auch den Juden, welche schulpflichtige Kinder haben zu bedeuten, daß sie ihre Kinder in eine öffentliche oder concessionirte Schule schicken müßen.
Ihr Bericht wird vor dem 10. Juli c. erwartet.
Düren, den 25. Mai 1825,
Landräthliches Officium, Der Kreis-Sekretair, Quadflieg.“

Kreis Dürener Korrespondenzblatt, Nr. 22 v. 28.05.1825

06.06.1825

„Die Verfügung vom 1. Dezember 1819, nach welcher bei der Beschneidung eines neugebornen jüdischen Knaben ein Wundarzt zugezoge werden soll, scheint hin und wieder nicht genau beobachtet zu werden.
Die Herren Bürgermeister wollen daher solche nochmals in Erinnerung bringen, und auf deren Beachtung genau für die Zukunft halten.
Da übrigens jetzt hier ein Kreis-Wundarzt ist, so ist dieser bei solchen Fällen zu regquiriren.
Düren, den 6. Juni 1825
Landräthliches Offizium, Der Kreis-Sekretair, Quadflieg.“

Kreis Dürener Korrespondenzblatt, Nr. 24 v. 11.06.1825

1825/26

„Denkschrift“ („Darstellung“) betr. die Verhältnisse der Juden in der Rheinprovinz
(u.a.)
A. In Bezug auf Population
[…]
§ 4. […]
Die Städte, wo die meisten Juden wohnen, sind
[…]
im Reg.-Bezirk Aachen Aachen mit 110
    Linnich  70
    Düren   52
    Jülich   50
B. In Bezug auf kirchliche Verfassung […]
E. In Bezug auf Abgaben […]

RhPA Köln, Nr. 373, Bll. 5-39 (endgültige, den Landständen vorgelegte Fassung); Abdruck: Kastner, S. 99-121; Auszug in: Lepper I, S. 565ff.

1826

Der Kreis war politisch in 27 Bürgermeistereien, kirchlich in 3 Dekanate mit 49 Pfarreien und 40 Kapellen eingeteilt; außerdem gab es 1 evangelische Superintendentur mit 2 Mutterkirchen und 6 Synagogen.
Bei der endgültigen Übernahme der Rheinlande durch die preußischen Verwaltungsbehörden zählte der Kreis Düren 37186 Einwohner, welche Zahl in den ersten zehn Jahren der preußischen Herrschaft auf 44276 stieg. Unter diesen waren 43239 Katholiken, 559 Evangelische, 1 Mennonit und 477 Juden.

Heimatblätter, Beilage zur Dürener Zeitung, 3. Jahrgang 1926, Nr. 18 v. 18. Juni 1926, S. 139/140

1828

Eine Synagoge besteht an unbekannter Stelle.

Rheinischer Städteatlas, Düren, S. 12, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 84

1834

28.02.1834

„Freiwilliger Mobilien-Verkauf.
Am Freitag, den 28. Februar 1834, um 9 Uhr Morgens, werden zu Drove im Sterbehause der Anna Catharina Himmelselig, Witwe von Peter Cünzeler, deren hinterlassene Mobilien, worunter Hausgeräthe aller Art, drei Wollen-Webstühle, zwei Kühe, ein Ochse, ein Pflug, Karrig, Egge u. s. w. an den Meistbietenden unter angemessenen Bedingungen versteigert werden.“

Zeitungsnotiz, Slg. Schnitzler. Der Vater Joseph Himmelselig war 1744 getauft worden.

1835

Die jüdische Schule
In den Uralten Weisthümern lesen wir, daß „eine Juddenscholen uf dem Vehmarkt“ war; ob dieses nun die Synagoge, ihr Bethaus oder eine gesonderte Schule gewesen, läßt sich nicht ermitteln. Im 17. Jahrhundert befand sich die jüdische Schule und Kirche in der Kölnstraße in dem Hause, früher mit No. 24 bezeichnet, welches der Herr Bürgermeister Dr. Günther mit seinem Hause durch einen Neubau verbunden hat. Im Jahre 1727 war Abraham Levy Lehrer der Judenschule welcher, weil er katholisch ward, in demselben Jahre abdankte. Gegenwärtig haben die Juden hier keine eigene öffentliche Schule, und besuchen deren Kinder die städtischen Elementarschulen, wofern die Eltern es nicht vorziehen, sie selbst zu unterrichten.

Bonn, Rumpel, Fischbach, Materialien zur Geschichte Dürens und seiner Umgebung, Düren 1835

08.09.1835

Der unten signalisirte Abraham Samson hat sich der gegen ihn wegen Mißbrauch des Zutrauens eingeleiteten Untersuchung durch die Flucht entzogen.
Auf den Grund des von dem Herrn Instruktionsrichter hierselbst erlassenen Vorführungsbefehls ersuche ich sämmtliche Polizeibehörden, auf das besagte Individuum zu wachen, im Betretungsfalle es zu verhaften und mir vorführen zu lassen.
Aachen, den 8. September 1835.
Der Königl. Ober-Prokurator. v. Fisenne, Prokurator.
Signalement des Abraham Samson.
Alter, 20 Jahre; Gewerbe, Handelsmann und Goldarbeiter; Geburtsort, Münstereifel; Wohnort, abwechselnd Düren und Münstereifel; Größe, 4 Fuß 10 Zoll; Haare, blond; Stirn, platt; Augenbraunen, blond; Augen, dunkelblau; Nase, platt; Mund, klein; Kinn, rund; Gesicht, rund.

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 46, Donnerstag, 17.09.1835

1837

In einem Bericht des damaligen Landrats von Egidy, veröffentlicht im „Stadt Dürener Anzeige- und Unterhaltungsblatt“, heißt es:
Düren, 15. Mai 1838
Die Bevölkerung [des Kreises] zerfällt in 47056 Katholiken, 787 Evangelische[n], 535 Juden, 1 Menonit [im Jahre 1837]. […] Der Kreis zählt […] 7 jüd. Betstuben

Heimatblätter. Beilage zur Dürener Zeitung, 13. Jahrgang, Nummer 11, Donnerstag, 28. Mai 1936

1841

Düren […] hat […] 2 katholische Pfarr- und 3 Klosterkirchen, […] 2 evangelische Kirchen und 1 Synagoge.

Malerische Beschreibung der Eisenbahn zwischen Köln und Aachen und der von ihr durchschnittenen Gegend […], Köln 1841, S. 36

31.12.1841

Die Stadt hat 7.952 Einwohner, davon: 7.476 Katholiken, 420 Evangelische, 56 Juden.

DA 1842 Febr. 12, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 91

1842

Die zunehmende Industrialisierung des Regierungsbezirks [Aachen] und der damit wachsende Wohlstand der Bevölkerung dürfte vor allem dazu geführt haben, daß die Zahl der Juden ständig zunahm. Zugleich war dies jedoch wohl auch Ausfluß einer allgemeinen Wanderbewegung der Juden in die west- und mitteleuropäischen Länder. So wohnten im Jahre 1842 in den Städten des Regierungsbezirks 2331 Juden. Damit hatte sich innerhalb von 20 Jahren die Zahl der Stadtbewohner nahezu vervierfacht. Wie schon seit langer Zeit betätigten sich viele im Handel. Viele waren Handwerker, andere Angestellte oder auch als Fabrikanten oder in freien Berufen tätig.

Weber, Hans: Die jüdische Bevölkerung im Regierungsbezirk Aachen, in: 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte, Aachen 1967, S. 127

04.04.1842

Geradezu grossartig gestalteten sich darum am 4. April die Einführungs-Feierlichkeiten [für Pfarrer Vaßen], bei welchen sich alle Behörden, alle Stände und Confessionen ausnahmslos in begeisterter Weise betheiligten. […] Vor dem Rathhause angekommen, traten […] die Notabeln der israelitischen Gemeinde und viele Honoratioren der Stadt vor den Gefeierten und hiess ihn der Herr Bürgermeister Namens Aller herzlich willkommen.

Das 60-jährige Priester-Jubiläum des hochwürdigen Herrn Dechanten und Oberpfarrers zu St. Anna Anton Vassen […] [10./11.09.1882] veröffentlicht im Auftrage des Fest-Comité’s von dem Mitglied desselben Dr. Heinr. Brüll, Gymnasial-Religionslehrer, Düren, Hamel’sche Buchhandlung 1882, S. 12f.

01.10.1842

1. Oktober 1842
Die Regierung an den preußischen Minister des Innern und der Polizei, Graf Adolf von Arnim, betr. die Regulierung des Judenwesens
Für den Vorschlag, die Juden vom Betrieb der Schenkwirthschaft auf dem platten Lande auszuschließen, weil die Gestattung derselben sich als schädlich erwiesen haben soll, würden wir auf Grund gemachter Erfahrungen nicht anführen können, indem in unserm ganzen Bezirke nur drei Gastwirthschaften, zwei zu Aachen und eine in der Stadt Linnich (Kr. Jülich), und eine Schenkwirthschaft im Kreise Düren von Juden gehalten und auch nur von Juden besucht werden. Mißbräuche sind hierbei nicht wahrgenommen worden. […]

HStAD, RAA, Nr. 2473 (Bll. 78-87) (korrigierter Entwurf); ZStAM, Rep 77 tit. 30 Generalia Judensachen Nr. 117 vol II (S. 395-408) (Ausfertigung); Abdruck in Kastner, S. 498-502; Lepper I, S. 618ff

1843

Im Jahre 1843 gab es Bethäuser in Düren, dessen Judenschaft seit längerer Zeit eine besondere Bedeutung hatte, Gürzenich, Gey, Merzenich, Drove, Maubach, Weisweiler, Langerwehe und Lüxheim.

Weber, Hans: Die jüdische Bevölkerung im Regierungsbezirk Aachen, in: 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte, Aachen 1967, S. 133

1844

14.03.1844

„Dem israelitischen Schulamts-Kandidaten Herz Bein ist die Erlaubniß zur Eröffnung einer Privatschule für jüdische Kinder zu Langweiler, Kreises Jülich, ertheilt worden.“

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 12 v. 14.03.1844

21.03.1844

„Dem israelitischen Schulamts-Kandidaten, Josich Auerbach aus Bonn ist die Erlaubniß zur Errichtung einer Privatschule für Judenkinder zu Weißweiler, Kreises Düren, ertheilt worden.“

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 13 v. 21.03.1844

18.04.1844

„Folgende aus dem Bereiche des Königlichen 25. Infanterie-Regiments entwichene Individuen:
[…]
3. der Reservist Abraham Meyer, genannt Salm, am 30. Dezember 1817 zu Linnich, im Kreise Jülich, Regierungsbezirk Aachen, geboren, jüdischer Religion, Handelsmann, früher im Königl. 25. Infanterie-Regiment gedient, welcher sich vor längerer Zeit aus seinem Wohnort Bracheln heimlich entfernt und seitdem dem Dienste entzogen hat; […]
sind durch ein am 9. l. M. hierselbst ergangenes und am 13. ejusdem vom Königl. General-Kommando 8. Armeekorps bestätigtes Erkenntniß dahin verurtheilt worden: daß sie der Desertion in contumaciam für überführt zu erachten, ihr gesammtes gegenwärtiges und zukünftiges Vermögen zu konfisciren und der Königl. Regierungs-Hauptkasse zu Aachen zuzusprechen.
Köln, den 18. April 1844
Königliches Gericht der 15. Division“

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 18 v. 25.04.1844

01.08.1844

Nach einem mißlungenen Attentat auf König Friedrich Wilhelm IV. Dankgottesdienste in den Kirchen und der Synagoge und Glückwunschadressen der Bürgerschaft an den König.

DA 1844 Aug. 7, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 93

18.12.1844

Der König hat der israelitischen Gemeinde zu Münz die Erlaubnis zur Errichtung eines Bethauses und des dazu notwendigen Grunderwerbs erteilt.

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 10 v. 27.02.1845

1845

10.04.1845

„Dem israelitischen Schul-Amts-Kandidaten Marcus Rosenberg aus Ahlen ist die Erlaubniß ertheilt worden, in der Stadt Düren eine Privatschule für Elementar- und Religions-Unterricht zu eröffnen.“

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 16 v. 10.04.1845

25.08.-08.09.1845

Die „Allgemeine Zeitung des Judentums“ zur Situation des jüdischen Gemeinde-, Kultus-, Schul- und Vereinswesens im Konsistorialbereich Krefeld mit Vorschlägen zu ihrer Verbesserung
Das linke Rheinufer hat noch von der französischen Herrschaft her drei Konsistorialsprengel, nämlich: Trier, Bonn und Krefeld, wovon letzterer, der größte, fast 1/3 der ganzen Rheinprovinz umfaßt. Der Rabbinats- und Konsistorialsprengel Krefeld umfaßt, wie gesagt, 1/3 der Rheinprovinz mit ungefähr 10000 jüdischen Einwohnern, welche dem größten Theile nach zerstreut und vereinzelt auf dem Lande in circa 130 Gemeinden wohnen. Im ganzen Sprengel ist keine Gemeinde, welche 500 jüdische Einwohner zählt; ja, manche sind so klein, daß sie kaum mehr als die ritualmäßige Anzahl enthalten. Die größten Gemeinden sind: Krefeld, mit 80 Familien, die größte Gemeinde des Sprengels, der Sitz des Rabbiners und des Konsistoriums; dann folgt Aachen, Kleve, Goch, Frechen, Neuß, Kerpen, Wickerathberg, Bergheim und Langweiler, welche letztere aber nur mit mehreren dazu gehörigen Dörfern eine Anzahl von 20 Familien übersteigen. Ueberhaupt ist dieses fast bei allen Gemeinden des sogenannten Jülicher Landes der Fall, daß mehrere Dörfer eine Gemeinde ausmachen.
[…] das Mitzwothverkaufen ist abgeschafft in Aachen, Wevelinghoven, Düren, Vierßen und Frechen.

AZJ Nr. 35 v. 25.8.1845 (S. 533 f.); Nr. 36 v. 1.9.1845 (S. 549-551); Nr. 37 v. 8.9.1845 (S. 564 f.). Abdruck in: Kastner, S. 953-959; Lepper I, S. 666-670

1847

23.07.1847

Nach dem Gesetz vom 23. Juli 1847, durch welches die Napoleonischen Dekrete von 1808 und 1810 abgelöst wurden, wurden im Regierungsbezirk [Aachen] die Juden in fünf Synagogengemeinden eingeteilt: Aachen, Düren, Jülich, Geilenkirchen-Heinsberg-Erkelenz und Gemünd, die die Landkreise Schleiden und Malmedy umfaßte und seit 1869 die Bezeichnung Synagogengemeinde Schleiden-Malmedy führte.

Weber, Hans: Die jüdische Bevölkerung im Regierungsbezirk Aachen, in: 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte, Aachen 1967, S. 128

22.11.1847

Der Landrat des Kreises Aachen Haßlacher an die Regierung, Abt. des Innern, betr. die Bildung von Synagogen-Bezirken
[…] Allgemein wünscht man, daß das Verhältniß der Juden von Warden und Kinzweiler zu dem Bethause in Langweiler fortbestehen, und daher die Judenschaft dieser Orte mit dem Synagogenbezirk der Kreise Jülich, Geilenkirchen, Heinsberg und Erkelenz vereinigt, daß ferner das Verhältniß der Juden von Eschweiler zu dem Bethause in Weisweiler fixirt, und daher die sehr arme Judenschaft von Eschweiler mit dem Synagogenbezirk der Kreise Düren und Schleiden vereinigt, die übrige Judenschaft des Landkreises aber, mit der Judenschaft der Stadt Aachen zu einem gemeinschaftlichen Synagogenbezirke verschmolzen werden möge.
Ich trete diesen Vorschlägen umso lieber bei, als nach der Versicherung der vernommenen Juden es ihnen durch ihre Satzungen verboten ist, am Sabbath weiter als eine Stunde Wegs zum Gotteshause zu gehen, und als die durch die Lage der Wohnorte zu den nächsten Bethäusern bedingten Cultusverbände ohne Noth durch die Abgrenzung der neuen Synagogenbezirke nicht zerrissen werden dürfen.
Hinsichtlich der Juden der Stadt Eschweiler bemerke ich noch, daß sie fast durchweg sehr arm sind, und daß ihr Besuch des Bethauses zu Weisweiler bisher nur geduldet worden ist, ohne daß sie zu den dortigen Cultuskosten beigetragen haben.

HStAD, RAA Nr. 4277. Abdruck in: Lepper I, S. 692 f.

09.12.1847

9. Dezember 1847
Die Polizeidirektion an die Regierung, Abt. des Innern, betr. die für die israelitischen Einwohner des Aachener Regierungs-Bezirks zu bildenden Synagogen-Bezirke
Mittelst der verehrlichen Circular-Verfügung vom 7/15. v.M. bin ich angewiesen worden, mich über den Umfang der, für die israelitischen Bewohner des Regierungs-Bezirks Aachen zu bildenden Synagogen-Bezirke, von dem Standpunkte der praktischen Ausführbarkeit, so wie in dem Sinne des 35. des Gesetzes vom 23. Juli a.c. gutachtlich zu äußern und somit auch die in dieser Beziehung von dem israelitischen Consistorium zu Crefeld gemachten, mir kommunizirten Vorschläge, einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.
Zuvörderst erlaube ich mir die Bemerkung, daß, nach dem in den vorgedachten Vorschlägen angegebenen Populations-Verhältnisse, bei welchem der Kreis Jülich und die Gemeinde Warden zusammenberechnet sind, so wie nach sorgfältig von mir eingezogener zuverlässiger Erkundigung, die gesammt jüdische Bevölkerung des hiesigen Regierungsbezirks nur 2358 und nicht, wie die Eingangs erwähnte Verfügung irrthümlich annimmt, 2611 Köpfe beträgt. Die gedachte Bevölkerung stellt sich nämlich auf folgende Weise heraus:
1. Stadt- und Landkreis Aachen mit Ausnahme der Gemeinde Warden 453 Köpfe
2. die Kreise Düren u. Schleiden 754 Köpfe
3. der Kreis Jülich, einschließlich der Gemeinde Warden 731 Köpfe
4. die Kreise Geilenkirchen, Heinsberg und Erkelenz 420 Köpfe
 Summa 2358 Köpfe
Es ist ein durchaus richtiger, von dem Crefelder-Konsistorium angenommener Grundsatz, daß, zur Erreichung des von dem angezogenen Gesetze beabsichtigten wohlwollenden Zweckes, für die staatliche so wie die moralische Fortbildung der Juden die möglichste Konzentration der Kräfte aller einzelnen Gemeinden und daher die Formirung von großen Synagogen-Bezirken vorzugsweise nothwendig sei. […]
Was den Vorschlag des vorgedachten Consistoriums: die Kreise Düren und Schleiden zu einem Synagogen Bezirke zu vereinigen, betrifft, so würde ich mich nur in dem Falle, mit selbigem unmaasgeblich einverstanden erklären können, wenn Eine Königliche Hochlöbliche Regierung den, vom Consistorium ausgesprochenen Grundsatz, der möglichsten Contzentration der Kräfte der einzelnen jüdischen Gemeinden, unbedingt zu genehmigen sich veranlaßt finden sollte, und, unter dem Ausdrucke „Kräfte“ blos die Kopfzahl der einzelnen Gemeinden, ohne Rücksicht auf den intellektuellen Standpunkt und die geographische Lage, Entfernung und sonstige beachtungswerthe Verhältnisse, verstanden werden soll.
Die jüdische Bevölkerung des Kreises Düren beträgt, nach der Angabe des Consistoriums, 558, jene des Kreises Schleiden aber nur 196 Seelen. Die letztgedachte Population ist zwar nicht bedeutend, wogegen die des Dürener Kreises nach jener von Jülich die größere des ganzen Regierungs-Bezirks ist, mithin wohl zu einem für sich allein bestehenden Synagogen-Bezirk füglich eignen könnte. - Wenn ich nun in Erwägung ziehe, daß die jüdischen Bewohner des Kreises Schleiden größtentheils zerstreut leben, und wegen ihrer theilweisen nicht geringen Entfernung von Düren, wohl am besten ihren Vereinigungs-Punkt in Gemünd finden mögten, so kann ich um so weniger den Wunsch, daß der Kreis Schleiden für sich allein einen besonderen Synagogen-Bezirk bilden möge, unterdrücken, als das vorgenannte Städtchen bereits eine Synagoge besitzt und in demselben, wie bekannt, einige recht strebsame und ziemlich gebildete Juden wohnen. Ich erlaube mir übrigens, jenem Wunsche noch die Bemerkung hinzuzufügen, daß, wie ich in Erfahrung gebracht, Düren überall nicht die Persönlichkeiten darbiethet, welche durchaus geeignet sind in einem Bezirk von 558, mithin in Verbindung mit Schleiden von 754 Seelen eine umsichtige und erfolgreiche Verwaltung für die erforderliche staatliche und moralische Fortbildung der Juden erwarten zu lassen. […]

HStAD, RAA Nr. 2477. Abdruck in: Lepper I, S. 693-696

1849

31.01.1849

„Verzeichniß derjenigen Personen, welchen durch rechtskräftige Urtheile die Ausübung der bürgerlichen Rechte auf bestimmte Zeit untersagt worden, für die Jahre 1847 und 1848. […]
[Nro.] 18 [Nro. des Urtheils] 293 [Datum des Urtheils] 13. Dezember 1848 [Name] Heymann, Hermann [Alter] 29 [Gewerbe] Uhrmacher [Wohnort] Düren [Dauer des Verlustes] 5 Jahre [Endigung der Strafe] 13. September 1854.
[…] Vorstehendes Verzeichniß wird hierdurch zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
Aachen, den 31. Januar 1849.
Der Königl. Ober-Prokurator, Packenius“

Amtsblatt der Regierung zu Aachen, Nr. 8 v. 15.02.1849

Mit der Verkündigung der Preußischen Verfassung entfällt die Sonderstellung der Juden. „Vor dem Gesetz sind jetzt alle Preußen gleich; damit ist auch die Ausnahmestellung der Juden beseitigt, für die sich unermüdlich rheinische Abgeordnete wie Mevissen, von Beckerath, Hansemann und Joseph Wergifosse eingesetzt hatten. Ein Zeugnis für den Dank der Juden finden wir in Düren in der Spende von 1000 Talern der israelitischen Gemeinde in Berlin für unsere hiesige Rheinische Provinzial-Blinden-Anstalt.“
Fußnote dazu: „Der Dürener Abgeordnete Joseph Wergifosse hatte sich namentlich im Preußischen Landtag für die Abschaffung des sogenannten Judendekrets eingesetzt, wodurch die staatsbürgerlichen Rechte der jüdischen Untertanen erheblich eingeschränkt wurden. Als Erkenntlichkeit erhielt er aus der Hand wohlhabender Juden von allen Seiten her Geldbeträge zur Errichtung einer wohltätigen Anstalt in der Rheinprovinz.
Im Verein mit seinen Gesinnungsgenossen errichtete er die hiesige Blindenanstalt, welche er auch eröffnete. Vgl. Rur-Zeitung 1897, Nr. 1“

Aufmwasser, Dr. H.: Das Dürener Zeitungswesen. Von den Anfängen bis 1870, Heimatblätter, Beilage zur Dürener Zeitung, 10. Jahrgang 1933, Nr. 5 v. 2. März 1933, S. 33